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In aller Freundschaft

Eine Einladung zum Nachdenken

                                                                     
 

Gemeinsam lachen, durch den Wald streifen oder bei Liebeskummer an der Schulter des anderen ausweinen, ob in Kindertagen oder im Erwachsenenalter, einen Freund zu haben ist etwas Wunderbares. Wahre Freundschaften machen unser Leben schöner, sie stärken unsere Gesundheit und tragen nach neusten Forschungsergebnissen sogar dazu bei, dass wir länger leben.

Meine erste Herzensfreundin hieß Sophie. Sie saß zwei Reihen hinter mir im Raum der Klasse 1b, hatte braune kurze Locken, dunkle Augen und einen schwarzen Kater. Jeden morgen holte ich sie von Zuhause ab. Dann liefen wir gemeinsam lachend zur Schule. Meine Geheimnisse vertraute ich ihr an. Ihr fühlte ich mich verbunden, in der Freundschaft geborgen. Nach drei Jahren gemeinsamer Zeit zog ich um. Ich vermisste sie sehr, schrieb ihr Briefe, erzählte ihr von meinem neuen Leben und wollte mehr von unserem alten wissen. In den ersten Wochen wartete ich jeden Tag gespannt auf ein Zeichen von ihr, bis der Sehnsucht einer schmerzlichen Erkenntnis wich. Ich habe nie nur einen Brief als Antwort bekommen.

Einmal fuhr ich sie noch besuchen. Meine Oma brachte mich in einem gefalteten Plisserock zu ihr. Ich war in freudiger Erwartung, sie wiederzusehen, mit ihr Zeit zu verbringen. Es dürstete mich, in vertrauter Leichtigkeit durch die Straßen zu laufen, nachdem der Umzug sehr anstrengend für mich gewesen war. Die Kinder in der neuen Dorf-Schule so anderes wirkten, fremd für mich aus der Stadt in ihrem Verhalten und Umgang miteinander. Doch Sophie wollte lieber mit anderen Kindern sein. Sie lies mich alleine in meiner alten Wohngegend in meinem neuen lila Rock stehen. So geborgen ich mich vorher oft mit ihr fühlte, so einsam war ich nun.

Wegbegleitung durch die Zeit

Manche Freunde begleiten uns das gesamte Leben, andere nur in Abschnitten. Wie unser Leben, so verändern sich auch Freundschaften, z.B.in ihrer Qualität, indem sie sich vertiefen oder sich lockern. So kann es auch immer Momente geben, in denen eine Freundschaft endet oder eine neue beginnt. Sei es durch einen Umzug, wie bei mir, andere Interessen oder eine andere Ausrichtung im Leben.

So ist das Leben wie ein Bus, den jeder von uns durch die Zeit steuert. Dabei steigen immer mal wieder Menschen ein, die denselben Weg wie man selbst hat. Umso schöner ist es, wenn man einen neuen Freund gewonnen hat, der mit einem durch die Heckscheibe schaut, um gemeinsam die Landschaft des Lebens mit all ihren schönen Wiesen und herausfordernden Hügeln zu betrachten. Andere wiederum verlassen den persönlichen Lebensbus. Entweder möchte einer oder beide auf einer anderen Weise, eine andere Geschwindigkeit oder in Bussen unterschiedlicher Ausstattung die Lebenszeit bestreiten.

Wertvolle Beziehungsqualität

Wie alle Beziehungen zwischen Menschen haben auch Freundschaften ganz unterschiedliche Qualitäten. Es gibt wohltuende, nährende Verbindungen. Freundschaftsinseln, die inspirieren, das Gute in einem sehen und im eigenen Weg stärken. Wer kennt das warme Bad der wohltuenden Zustimmung, die gemeinsame Freude über die Erfolge des jeweils anderen und auch die wertvolle Dusche ehrlich gemeinter Kritik?

Hochqualitative Beziehungen zeichnen sich dadurch aus, dass beide ähnlich viel Pflege in die Beziehung geben – sei es über Zuneigung, Zeit oder bei Unterstützungsangeboten. Sie sind ein gemeinsamer, ressourcenvoller, wärmender, sonnengefluteter Raum des Seins, So-Sein-Dürfens und der Geborgenheit. Das Zustandekommen einer Freundschaft ist eine Mischung aus glücklichem Umstand und gemeinsamer Bejahung. Die Beständigkeit dieser geht bewusster Pflege einher.

Bei der Pflege geht es nicht um einen angestrengten Perfektionismus angetrieben durch einen Leistungsgedanken. Vielmehr bedeutet das Umsorgen eines freundschaftlichen Bandes Fehler zulassen zu können und punktuell Verletzungen zu akzeptieren. Beide eint jedoch der Grundkonsens, neugierig zu sein auf das Sein des anderen, auf seine Art der Lebensgestaltung und ihn begleiten zu wollen.

So ressourcenvoll ein freundschaftliches Miteinander sein kann, so schmerzlich ist es, wenn das Sein nicht dem Schein entspricht. Die Freundin redet hinter dem Rücken, oder nimmt sich keine Zeit mehr, seitdem sie eine neue Liebensbeziehung hat? Manchmal glaubt man sich in einer Freundschaft, die keine mehr ist oder nie eine war.

Zum Beispiel weil sie sich so stark auf der Oberfläche von Belanglosigkeiten ansiedelt, dass keine wirkliche Bindung und Nähe zustande kommen. Es wird über das Wetter palavert oder das Leben der Nachbarin ausgewertet. Persönliches mit Tiefsinn findet jedoch keinen Raum. Sollte doch einmal ein Funken Intimes kommen, so wird es schnell abgewehrt, da die Nähe, die er mitbringen würde, für einen oder gar für beide nicht aushaltbar wäre.

Schwächende Beziehungsmuster

Oder die vermeintlichen Freunde benutzen sich gegenseitig. Der andere dient dazu, um sich entweder von eigenen unangenehmen Gefühlen abzulenken oder diese dort abzuladen. Auch die persönliche Lustmaximierung sowie die Notwendigkeit eigene innere emotionale Eimer von außen zu füllen, können Beweggründe für solche Verbindung sein. Das kann bewusst passieren. Oft sind es jedoch unbewusste Mechanismen, die zwei Menschen in einer wenig nährenden Bindung hält.

Anstatt sich gegenseitig zu stärken und das Beste raus zu holen, schwächen sich die Beziehungspartner mit Abwertungen, unangemessenen Erwartungen, Verstrickungen, versteckter Kritik und Manipulationen. Solche Beziehungen können destruktive Züge annehmen.

Das energieraubende Gift hält sich oft versteckt. Wie bei manchen Seen kann die Wasseroberfläche anfänglich ruhig und glatt sein, während darunter die gefährliche Strömung mit starker Kraft zieht. Ein Schwimmgang in diesem Gewässer erfordert Kraft und zieht Energie um sich oben zu halten, immer mit der Möglichkeit doch unter zu gehen. Solche längerfristig zehrenden Freundschaften sind von Ambivalenz geprägt und subtil-negativen Botschaften. Es kann zu einem Nähe-Distanz Tango kommen, der immer wiederkehrend Muster hervorbringt, die entweder beide oder einen schwächen.

Eine höchstnährende Freundschaft und destruktiv-toxische Bindung sind zwei Pole zwischen denen es viel Schattierung gibt. Wie kann man nun herausfinden, ob die neue Freundschaft wohltuend ist? Wie kann man die Antwort finden auf die Frage, ob der langjährige Freund noch auf derselben Buslinie unterwegs ist, wie man selbst? Wo fragen, ob man gar schon in unterschiedliche Richtungen fährt, so dass sich die Fahrzeuge kaum mehr kreuzen und der Bus des jeweils anderen dann nur noch über einen gefährlichen Drahtseilakt hängend in der Luft bestiegen werden kann?

Die Antwort liegt in jedem selbst. Eine eigene Erkundung bringt Klarheit, in welcher Art und Weise man in Beziehung zu diesem Menschen derzeit steht und weiterhin stehen möchte. Zum einen durch eine klare Analyse seiner selbst und der Dynamik zwischen sich und dem anderen Menschen. Was verbindet mich mit diesem Freund gerade? Was motiviert mich, diese Freundschaft zu pflegen? Ist er ein guter Freund? Bin ich selbst ein guter Freund? Zum anderen durch das Erkunden der eigenen emotionalen Welt. Was löst der Freund aus? Wie fühle ich mich nach einem Treffen?

Wahre Freundschaft

Was bedeuten die Antworten in Bezug auf diese Freundschaft? Während der Erkundungstour kommt es zu neuer Berührung – meiner selbst und des anderen. Das Ergebnis bringt Klarheit – sei es über eine tiefe Freude über diese Freundschaft oder durch Hinweise, wo es noch nicht rund läuft, was es zu besprechen gibt. Manchmal erwächst auch die Erkenntnis, dass es besser für einen selbst ist, dem anderen keinen Platz mehr im eigenen Bus anzubieten.

 

Sophie habe ich nach über zwanzig Jahren zufällig in einem Einkaufszentrum wieder getroffen. Sie hat mich mit 34 Jahren wiedererkannt, nachdem sie mich das letzte Mal mit 10 Jahren gesehen hatte. Wir haben Nummern ausgetauscht. Getroffen haben wir uns jedoch nie.

Durch das schicksalshafte Zusammentreffen konnte ich mit dem Schmerz, den ich durch dieses Ende der Freundschaft als Kind erfahren hatte, als Erwachsene nun abschließen. Offensichtlich war ich noch in ihren Erinnerungen gewesen, auch wenn sie mir nie geantwortet hatte.

Ob es im Kern eine wahre Freundschaft war? Ich mag es nicht zu sagen. Wir waren Kinder in einer Welt, in der es Beziehungen gab, diese jedoch kaum gestaltet wurden.

Diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, mich später bewusst mit der Gestaltung des freundschaftlichen Miteinanders auseinanderzusetzen. Daraus gezogen habe ich, was eine Freundschaft ausmacht: neben dem Wohlwollen, der Verlässlichkeit und Neugier auf den anderen, in der Tiefe gesehen werden, den anderen in seiner Essenz wahrzunehmen, ihn wieder erkennen zu können, auch wenn das Leben vielleicht schon viele Jahre getrennt weiter gegangen ist.


Du möchtest deine Freundschaft(en) erkunden? Die Checkliste hilft dir dabei:

 

Du brauchst persönliche Unterstützung, um mehr Klarheit über deine Freundschaften zu erlangen? Ich begleite dich gerne. Nimm hier Kontakt auf.


 

 


Schreibe, was du schon immer sagen wolltest! 

        

Als mein Opa verstarb, war ich tief berührt. Ich fand Briefe und Zeitungen aus vergangenen Zeiten. Sie gewährten mir Einblick in eine Zeit, die ich nicht kannte, in ein Leben, das nicht meines war.

Es waren Briefe aus der Kriegs- und Nachkriegszeit. Zeilen, die von Gefangenschaft berichten, vom Tod von Angehörigen, vom Verbleib nach dem Krieg, auch Liebesbriefe waren dabei. Die Briefe waren Zeugen von Verbindungen zwischen Menschen. Sie waren ein großes Geschenk für den, der sie bekam und auch für mich, die zu dieser Zeit noch nicht das Licht der Welt erblickt hatte. Sie ließen mich eintauchen in andere Leben. Sie brachten mich Menschen näher, die ich nie kennenlernen durfte.

Das Papier zu fühlen, war besonders. Der Gedanke erfasste mein Herz. Wie viel diese Briefe Personen bedeutet haben mochten! Diese zu riechen- so alt. Die verschiedenen Handschriften zu sehen – teilweise krakelig, teilweise groß geschwungen. Hören konnte ich die Briefe. Das Knistern des alten Papiers während ich es öffnete, lösten eine ganz eigene Stimmung in mir aus. Die Briefe sprachen all’ meine Sinne an. Mit ihnen konnte ich die Vergangenheit wahrnehmen.

Es waren schöne Momente, die ich mit Menschen hatte, deren Energie nun woanders war. Durch diese alten, persönlichen Schriften fühlte ich mich ihnen verbunden. Meinen Gedanken schweiften – wie muss es wohl gewesen sein für Menschen in Zeiten der Ungewissheit?

Mit aller Kraft wurde mir bewusst, wie verbindend so ein kleines Stück geschriebenes Papier sein kann. Es beginnt bei der Auswahl des Briefpapieres, die bereits eine Verbindung zu dem aufbauen kann, für den der Brief gedacht ist.

Wem würdest du schreiben, wenn du noch einen Brief zu verschicken hättest?

Es gibt so viele Arten von Briefen.

Der wohl eindrücklichste ist der Liebesbrief, der Ausdruck von Sehnsucht nach Verbindung ist. Der Freundschaftsbrief, der aus dem Leben berichtet. Der philosophische Brief, der nach geistigem Austausch und Entwicklung strebt. Der Wutbriefe, der anstelle des vorangegangenen Liebesbriefes in der Trennung versendet wird.

Alle haben gemein, dass sie etwas verbindet: Sie sind Ausdruck von etwas Persönlichem.

Welche Art von Brief würde deiner sein?

Zu Zeiten meines Großvaters gab es vorgedrucktes Papier von den Alliierten. Auf diesem schrieben Menschen auf einer begrenzten Zahl von Zeilen, das Wichtigste, was gesagt werden wollte.

Was wäre das Wichtigste, das du dieser Person in drei Zeilen schreiben würdest?

Der Mensch ist fern, doch bereits beim Schreiben des Briefes entsteht eine Verbindung zu ihm. Es entwickeln sich Gefühle, Gedanken entfalten sich. Der Moment, wenn der Brief in den Briefkasten gesteckt wird, wenn sich etwas auf den Weg macht…

Welches Gefühl begleitet dich, wenn du diesen Brief in den Briefkasten steckst?

Der Empfänger erhält etwas, was nur ihm gewidmet ist, handgeschrieben.

Was denkst du, wie ist es für die Person, deinen Brief zu erhalten? Welche Gedanken, Gefühle, körperliche Signale begleiten sie?

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich durch die Briefe meinem Opa auch nach seinem Tod nochmal nah war, dass ich in Verbindung  mit  Menschen treten konnte, die ihm viel bedeutet haben, ich jedoch nie kennenlernen konnte, da Krieg und Tod ihr Leben sehr kurz gemacht haben.

Wem möchtest du gerne etwas hinterlassen? Was möchtest du, das die Nachwelt von dir liest?

Wann wirst du schreiben, was du schon immer sagen wolltest? Wenn nicht jetzt, wann dann?


Ich schreibe dir und schenke dir eine persönliche Frage auf einer wunderschönen Postkarte.

Was tut mir eigentlich gut? Was gibt mir Energie? Was lasse ich lieber hinter mir? Du möchtest eine Postkarte erhalten mit einer Frage, die es in sich hat?

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Katja Schoenitz


 

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